Amajambo

Amajambo heißt übersetzt „Worte“ oder eben „Reden“, die ja viele Worte beinhalten. Die Überschrift könnt ihr am Ende des Eintrags dann besser verstehen.

Am Samstag waren wir auf einer Hochzeit. Der zweite unser Sprachlehrer hat seiner Floride das JA-Wort gegeben. Diesmal konnten wir wirklich bei allen Zeremonien dabei sein. So eine burundische Hochzeit ist total interessant, aber man braucht auch eine große Portion Flexibilität. Ein paar Elemente kennen wir auch in Deutschland, anderes ist uns fremd. Es gibt die standesamtliche und die kirchliche Trauung, das kennen wir ja, daneben gibt es aber auch noch die Dot, das Lever de voile, der Empfang und das Essen im engsten Kreis.

Da wir viele Bilder machen konnten, wollen wir Euch etwas erklären, wie das Ganze so abläuft. Die einzelnen Elemente sind traditionell an verschiedenen Tagen, aber da man heute ja überall sparen muss, kann das auch nur an zwei, oder gar nur an einem Tag alles ablaufen. Angefangen hat diesmal alles mit dem Standesamt.

Beim Standesamt - natürlich im Freien. Der Trauzeuge schreibt gerade eine SMS.
Beim Standesamt - natürlich im Freien. Der Trauzeuge schreibt gerade eine SMS.

Standesamt

Normalerweise wird man dazu gesondert eingeladen. Wir hatten so eine Einladung nicht bekommen, aber das muss hier auch nichts heißen. Am Freitagvormittag bekam Alex vom Bräutigam einen Anruf, dass wir in 5 Stunden (15h30) zum Standesamt eingeladen sind. Wir waren etwas erstaunt und meinten, dass wir gerade Besucher haben: kein Problem, die dürfen auch kommen! Als es dann langsam Zeit wurde (15h) bekamen wir eine SMS: Die Standesbeamtin hat heute doch keine Zeit, daher wird alles auf Samstag Früh verschoben (da fragt man sich doch, warum man vorher beim Standesamt einen Termin ausmachen muss.) Alex hat das einen Einheimischen gefragt, der meinte dann nur: “das ist halt hier so.”

Es war am Freitag auch noch gar nicht klar, wann nun die ganzen Feierlichkeiten am Samstag starten sollten, da ja nun der ganze Plan über den Haufen geworfen wurde – Gerüchte sagten, es könnte schon um 6h00 früh losgehen!! Also: erstmal ins Bett gehen und hoffen, dass der nächste Anruf, nicht soooo früh ist.

Am Samstag haben wir uns dann fertig gemacht, nachdem wir gesagt bekommen haben, wir sollten um 9h00 am Standesamt sein. Wir sind gerade auf die Straße gegangen, als uns die Trauzeugin entgegenkam, um die Braut zuhause abzuholen. Dann war klar: das kann auch noch eine halbe Stunde dauern. Also sind wir wieder nach Hause gegangen. Derweil “musste” ein Kollege spontan einspringen und die Familie des Bräutigams abholen, was auch nochmal 1,5h dauerte. Wir haben dann ausgemacht, wir gehen erst los, wenn wir einen Anruf bekommen, dass es losgeht. Ach ja: Da der Fotograf anscheinend nicht da war, wurde Alex auch gebeten, Fotos zu machen; er sollte also pünktlich(!) sein. Kurz nach 10h kam ein Anruf: “Du bist da?” – “Nein, ich bin noch zu Hause, ich warte noch auf den Anruf, wann es wirklich losgeht.” – “Es hat bereits angefangen!” Also gut, wir sind schnell losgelaufen, um dann vor Ort festzustellen, dass der andere Fotograf doch da war und außer einer Rede (den amajambo) und einer Unterschrift nichts Besonderes lief: selbst der Trauzeuge hat während der Zeremonie mit seinem Handy gespielt und telefoniert 🙂

Die symbolische Dot wird übergeben …
Die symbolische Dot wird übergeben …

Dot (11h45)

Dann ging es zur Dot. Hier in Burundi muss der Mann für die Zukünftige einen Brautpreis bezahlen, der vorher von den Familien ausgemacht wird. In der Regel sind es Kühe, die den Besitzer wechseln. Je besser die Familie der Frau und je besser ihr Bildungsstand, desto mehr Kühe werden fällig. Das Witzige daran ist, dass es auch eine “menschliche Kuh” gibt (die wird wirklich so genannt!!): Die Braut. Bei der Dot stellt nun die Familie des Bräutigams die Frage, ob man nicht vielleicht die menschliche Kuh haben könnte, die einem ja versprochen wurde, die andere Familie dagegen versucht über geschicktes Reden, etwas Stimmung zu machen 🙂 Das war echt nett, ein einheimischer Pastor meinte zu uns: “das ist wie Tischtennis: das geht immer hin und her (die Reden)”. Das ging dann auch eine Weile (so eineinhalb Stunden). Amajambo eben!

Ach ja: Die Dot sollte direkt nach dem Standesamt sein. wir sind hingelaufen: keine Dot, keine Familien. Also wieder warten, warten und warten. Zwischendurch waren wir auch mal zuhause. Aber das ist normal, weil sich Braut und Bräutigam umziehen müssen, und das kann eben laaaaange dauern.

Unsere Kirche
Unsere Kirche

kirchliche Trauung(14h00)

Da brauchen wir gar nicht viel schreiben und erklären: es ist schlichtweg ein Gottesdienst wie bei uns, in dem das Ehepaar um den Segen Gottes bittet.

Empfang (16h30)

Das ist nun wirklich typisch Burundi: Es gibt keinen Kuchen, keine Knabbereien, nichts zu Essen, obwohl manche seit 9h dabei sind und wir alle kräftig Hunger haben. Es werden jedem Gast, je nach Bedeutung ein Platz zugewiesen und dann gibt es FANTA!! Man hat die Wahl zwischen Fanta Zitrone, Orange (für Kinder) der Cola. Und dann gibt es wieder … Richtig: amajambo – Reden, von der Familie des Bräutigams, von der Familie der Braut und von einem Vertreter der Gäste. Ach ja, Geschenke werden auch noch überreicht, auffällig viele Umschläge  – die sammelt dann der Trauzeuge.

Es gibt auch ein paar Darbietungen: ein paar Mädchen die tanzen und ganz wichtig auch die Trommler. Johanna hat die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und sich schon mal im Trommeln geübt.

Lever de Voile

Das findet eigentlich erst etwas später statt, denn traditionell kommen da die Eltern der Braut und fragen, wie es denn der menschlichen Kuh geht, die man gegen die echten Kühe eingetauscht hat. Aber inzwischen machen das auch einige Paare am gleichen Tag. Um es kurz zu machen: es gab sie mal wieder: amajambo!

Enger Kreis

So, da sitzen wir nun, es ist irgendwas zwischen 21h00 und 22h30. Zu engsten Familien- und Freundeskreis gehören ca. 50 Gäste, darunter natürlich auch die Weißen. Da die Stühle knapp geworden sind (wir sind beim Brautpaar zuhause), ist Alex kurz zu einer Bar gefahren und hat zwei Dutzend Stühle ausgeliehen.

Ende

Viele Kilometer spontanes hin- und herfahren und etliche Stunden des Wartens liegen hinter uns. Müde und mit Rückenschmerzen durch die vielen Schlaglöcher sind wir nun auch bei uns zuhause wieder angekommen. Es war in allem ein echt schöner Tag, den wir mit unseren einheimischen Freunden feiern konnten – auch wenn es anders ist, als bei uns in Deutschland.

Hier ein paar Bilder, mehr gibt es in der Galerie.

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